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Der Daltonplan-was ist das? |
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Der Daltonplan – was ist das? Der Daltonplan wurde von der amerikanischen Pädagogin Helen Parkhurst (1886 – 1973) begründet. Benannt wurde er nach dem kleinen Städtchen Dalton, in dem Parkhurst 1919/20 mit der „Daltonisierung“ der „Dalton Public High School“, einer öffentlichen Sekundar-schule begann. Zur Person Helen Parkhurst
Die Begründerin des Dalton-Plans Helen Parkhurst wurde am 8. März 1886 in Durand/Wisconsin geboren. Ihre eigenen Schulerfahrungen beschrieb sie Jahre später in ihrem Hauptwerk „Education on the Dalton Plan“ überaus kritisch: „... der durchschnittliche Lehrer setzte wohl die strenge Disziplinierung der Schüler mit der erfolgreichen Wissensvermittlung gleich.“ Man kann es daher wohl als Herzensangelegenheit Parkhursts interpretieren, dass sie ihr Leben der Entwicklung eines alternativen, reformpädagogischen Gegenkonzepts zu ihren eigenen negativen Schulerlebnissen widmete. Am Beginn dieser Entwicklung, die später im Dalton-Plan ihre Vollendung finden sollte, stand das Schulexperiment in Waterville/Wisconsin (1904/05), der sogenannte „Laboratory-Plan“. Der Professor für Erziehungs- und Unterrichtswissenschaften Harald Eichelberger beschreibt in seinem ausgezeichneten und überaus empfehlenswerten Buch „Eine Einführung in die Daltonplan-Pädagogik“ diesen Schulversuch mit folgenden Worten: „Gleich zu Beginn des Schuljahres wurde offenbar das traditionelle Klassenzimmer in „daltonspezifischer“ Weise verändert. Die auf Tafel und Pult ausgerichteten und im Fußboden verschraubten Bänke wurden gegen bewegliche Tischgruppen ausgetauscht, die nun „Fachwinkel“ („subject corners“) bildeten, in denen die Schüler selbsttätig arbeiteten. Sie folgten dabei schriftlichen „Arbeitsanleitungen“ (assignments), wobei die jüngeren Schüler Wochen-, die älteren Monatspläne mit 20 „Arbeitseinheiten“ (units) pro Fach und Monat erhielten. ... Während Helen Parkhurst in einem eigenen Büro nahe dem Schülerarbeitsraum die assignments vorbereitete, Lerngruppen unterrichtete und Einzelgespräche führte, waren die Schüler für Ordnung und Disziplin im Klassenraum ebenso selbst verantwortlich wie auch für die Ausführung ihres individuellen Arbeitspensums.“ Vieles von dem, was den Dalton Plan später auszeichnen sollte – speziell die Eigenver-antwortung, aber auch weitreichende Freiheiten der SchülerInnen - , war also schon zu diesem Zeitpunkt von Parkhurst verwirklicht worden. 1913 nahm Parkhurst an einem von Maria Montessori geleiteten internationalen Trainingskurs in Rom teil. „Damit begann die Zusammenarbeit der beiden großen Reformpädagoginnen, die in Helen Parkhursts Stellung als „Supervisor of Montessori Teachers in the United States“ ab 1915 gipfelte.“ Nach Tätigkeiten an anderen Schulstandorten, an denen Helen Parkhurst ebenfalls erfolgreich mit ihrem neuen Konzept arbeitete, kam Parkhurst schließlich 1919 an die bereits genannte „Dalton Public High School“, an der sie die nächsten neun Jahre an der Weiterentwicklung des Daltonplans arbeitete. Als Vorteile dieses Plans nennt Harald Eichelberger : „individuelles Lerntempo, erhöhte Leistungen der schwächeren Schüler, größere Verantwortung hinsichtlich der Lernzeit, wachsendes Selbstvertrauen, Eigeninitiative, ein verbessertes Lehrer-Schüler-Verhältnis und ein gesteigertes Interesse an weiterführender Schulbildung.“
Helen Parkhursts Hauptwerk „ Education on the Dalton Plan” Ab 1922 – etwa mit der Erscheinung ihres Hauptwerkes „Education on the Dalton Plan“ - setzte die internationale Verbreitung des Daltonplans ein, während Parkhurst selbst von 1924 bis 1942 an der „Dalton School New York“ tätig war. Nach ihrem Abschied von der New Yorker Daltonplan-Schule widmete sich Parkhurst in erster Linie zahlreichen einschlägigen Studien- und Forschungsprojekten. Erstaunlich ist aber, dass Parkhursts Lebenswerk, der Daltonplan“, in Europa weiter verbreitet ist als in ihrer Heimat. Speziell in den Niederlanden, wo über 200 Schulen nach den Ideen von Helen Parkhurst organisiert sind, erfreuen sich Daltonschulen großer Beliebtheit – und zwar nicht nur in der Sekundar-, sondern auch in der Primarstufe, in der Fachliteratur meist „Sub-Daltonplan“ genannt. Dieser Bedeutung entsprechend, zeichnete Königin Juliane Helen Parkhurst 1957 für ihre Verdienste um das niederländische Schulwesen mit dem Orden „The Officer´s Cross of the Order of Orange-Nassau“ aus. Im Jahre 1973 verstarb Helen Parkhurst. Sie hinterließ ein Lebenswerk, das nun auch an der EMS seine Früchte trägt. Die Dalton Prinzipien: Das Konzept des Dalton Planes ist ein
offenes, welches weder bestimmte Methoden noch strikte Regeln vorgibt.
Dennoch gibt es vier wesentliche Prinzipien, die im Vordergrund stehen: 1) Freiheit Mit Freiheit ist im Sinne von Helen Parkhurst nicht die uneingeschränkte Freiheit der Schüler gemeint, sondern sie wird vielmehr als Wahlfreiheit definiert.
Konkret geht es dabei u.a. um folgende Punkte:
2) Verantwortung Wie Helen Parkhurst diesen Begriff verstanden wissen will, beschreibt wohl am besten Harald Eichelberger: „Helen Parkhurst versucht mit dem Daltonplan den schulischen Schwerpunkt vom Lehren auf das Lernen zu verlegen. Im herkömmlichen Unterricht ist es die Aufgabe des Lehrers, darauf zu achten, dass der Schüler lernt. Ein wesentliches Prinzip des Dalton-Unterrichts hingegen besteht darin, dass der Schüler selbst verantwortlich für seine Arbeit und seinen Fortschritt ist. Die Gestaltung des Unterrichts ... soll im Schüler das Bewusstsein erwecken, dass das Lernen seine Sache ist, und nicht die des Lehrers; dass er Verantwortung für sein Tun und sein Leben in der Schule übernehmen muss, stärkt sein Selbstvertrauen und ermöglicht ihm, initiativ für sich selber zu werden.“
Dieses Prinzip hat große Auswirkungen auf die Lehrerrolle: der Lehrer zieht sich nämlich von seiner traditionell „dominanten“ Rolle zurück und greift nur noch bei Bedarf helfend ein; er bekommt die Funktion eines Beraters.
3) Zusammenarbeit Dieses Prinzip ist eng verwoben mit dem der Wahlfreiheit in Bezug auf die Interaktionsform: die SchülerInnen entscheiden weitgehend alleine, ob sie in Einzelarbeit, in Partnerarbeit oder in der Kleingruppe zusammen arbeiten.
Eichelberger beschreibt die Vorteile dieser Schüler-Zusammenarbeit folgendermaßen: „Wenn es (das Kind) sich der Gruppe zuwendet, lernt das Kind den anderen zu respektieren und zu verstehen, seine eigene Meinung zu formulieren und in der Diskussion zu vertreten; es entwickelt eine gewisse „Kultur des Gesprächs“ und die Fähigkeit zu demokratischem Zusammenleben.“
Helen Parkhurst im Kreise ihrer Schüler
4) Selbsttätigkeit Dieses Prinzip, das von Parkhurst nicht eigens definiert wurde, sich aber aus der praktischen Schulwirklichkeit ergab, beinhaltet die Erziehung zu Selbstständigkeit: die SchülerInnen sind für das Gelingen ihrer Arbeit selbst verantwortlich, und müssen die ihnen dafür zur Verfügung stehende Zeit auch eigenverantwortlich einteilen.
Reinhard Kopf schreibt in seinem Aufsatz „Der Daltonplan in der Praxis“ völlig zu Recht, dass dieser Punkt „für die Zukunft der Schülerinnen und Schüler gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit besondere Relevanz (hat). Pensen (Arbeitsaufträge für längere Zeiträume) ... erscheinen daher als eine sehr wichtige Vorbereitung für zukünftige Weiterbildung und das Berufsleben.“
Mit anderen Worten: die Ausbildung und Weiterentwicklung von Schlüsselqualifikationen wie Selbsttätigkeit, Eigenverantwortlichkeit und solidarisches Handeln, die so sehr im Berufsleben gefordert und erwünscht sind, werden in einer Dalton-Klasse besonders forciert.
Buch-Tipp
Eichelberger, Harald (Hrsg.): Eine Einführung in die Daltonplan-Pädagogik (Innsbruck, 2002), Sudienverlag. Alle Zitate – sofern nicht anders angegeben - sind diesem Buch entnommen.
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