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Medienberichte, Wettbewerbe

kurier neustiftgasse

http://kurier.at/nachrichten/wien/2031279.php

 

Thema: Bildung

Integration: "Wiener leben Multikulti"

 

Kinder aus 21 Nationen lernen gemeinsam in einer Schule. Sprachliche Barrieren sind schnell überwunden.

 

Irena Rosandic ist eine Kosmopolitin: Die Kroatin studierte in ihrer Heimat Germanistik und spricht perfekt Deutsch: "Zudem hat mein Vater lange Jahre in Wien gelebt. Mit ihm habe ich auch deutsch gesprochen ", erzählt sie. Heute lebt auch sie in Wien und unterrichtet an der Kooperativen Mittelschule Neustiftgasse im 7. Bezirk. Zuvor lebte Irena Rosandic einige Jahre in Moskau und in Rom.

Die Weitgereiste weiß, wie es ist, wenn man plötzlich nicht mehr in der eigenen Muttersprache reden kann. "In der Neustiftgasse lernen Kinder aus 21 Nationen, die 19 verschiedene Sprachen sprechen. Da bin ich sicher am richtigen Ort."

Beruf als Berufung

Für die Lehrerin ist ihr Beruf nicht nur Pflicht, sondern vielmehr Berufung. Sie will dafür sorgen, dass die Kinder sich in mehreren Sprachen ausdrücken können." Rosandic unterrichtet Englisch und "Europäische Studien" - das Fach ist ein Spezifikum der Schule (siehe Hintergrundbericht ).

Die Lehrerin weiß, dass sie als Migrantin "sensibler dafür ist, wo bei den Zuwanderern die Probleme liegen. Ich bin sicher toleranter, wenn die Kinder Fehler machen, weil ich ja genau weiß, wo Schwierigkeiten liegen."

Schüler, die ganz frisch nach Österreich gekommen sind und deshalb überhaupt kein Wort Deutsch sprechen, erhalten an der Schule Extra-Unterricht: "Elf Stunden Deutsch pro Woche im ersten Jahr", sagt die Direktorin Christine Schiller.

Türkisch

Aber nicht nur das: "Neben Deutsch und Englisch lernt bei uns jeder noch eine weitere Sprache: Italienisch, Spanisch, Ungarisch, Slowakisch, Tschechisch, Türkisch und BKS, also Bosnisch, Kroatisch bzw. Serbisch", ist Schiller stolz. In dieser dritten Sprache lernen die Kinder nur das Grundgerüst. "Uns ist es wichtig, dass die Kinder hier lernen, wie man Schritt für Schritt eine weitere Sprache lernt", sagt Rosandic. "Und wie man die vorhandenen Ressourcen dazu am effektivsten einsetzt." Das Beherrschen der eigenen Muttersprache sei dabei von immenser Bedeutung.

Wie schnell die Kinder in vielen Sprachen zu Hause sind, zeigt sich beim Gespräch mit ihnen. Aminata aus Senegal spricht zu Hause zum Beispiel "oft Französisch, in der Schule Deutsch". Marina aus Serbien freut sich zwar, wenn sie sich mit Irina Rosandic einmal in ihrer Muttersprache unterhalten kann. Doch ihr Deutsch ist schon heute perfekt.

 

Neustiftgasse: Europäische Schule in Wien

"Jedes Jahr muss ich leider Buben und Mädchen abweisen", verrät Direktorin Christine Schiller.

Christine Schiller sieht den Erfolg ihrer Schule in den vielen zweisprachigen Lehrern, die hier unterrichten: "Wir bräuchten in Wien noch viel mehr, uns fehlen vor allem spanisch Sprechende", sagt sie. Zweisprachige Lehrer gebe es aber immer mehr: "Weil viele Wiener Migranten heiraten. Die Wiener leben Multikulti schon längst."

Die KMS Neustiftgasse in Wien-Neubau nennt sich nicht ohne Grund "Europäische Mittelschule". Pädagogen aus dem ungarischen Györ, aus Brünn und Bratislava und aus Wien haben sich zusammengesetzt, um für ihre Schulen ein gemeinsames Konzept zu erarbeiten.

Das Ziel: Die Wiener Schüler sollen nicht nur den Stoff des österreichischen Lehrplans beherrschen. Sie sollen sich auch ein Basiswissen des Stoffs aneignen, der in den Nachbarländern vermittelt wird. Die Sprache spielt dabei eine zentrale Rolle. Dazu gehört neben der Muttersprache natürlich Englisch.

Beliebt

Den Eltern gefällt das Konzept offensichtlich: "Jedes Jahr muss ich leider Buben und Mädchen abweisen", verrät Direktorin Christine Schiller. Die Internationalität will sie aufrecht erhalten: "Derzeit haben wir 425 Schüler, für 286 ist Deutsch nicht die Muttersprache." Auch die soziale Mischung ist hier gegeben: "Wir haben hier sowohl Botschafterkinder als auch Schüler, die in billigen Wohnungen direkt am Gürtel leben."